Eine Frau geht ihren Weg - nach draußen
“Wir müssen den Familien Entlastung und nicht Belastung zumuten und müssen
auch ‘ne Gerechtigkeit schaffen zwischen kinderlosen und kinderreichen Familien.
Und wir müssen vor allem das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder
wertschätzen lernen, das leider ja mit dem Nationalsozialismus und der darauf
folgenden 68er Bewegung abgeschafft wurde. Mit den 68er wurde damals praktisch
alles das alles, was wir an Werten hatten, es war ‘ne grausame Zeit, das war ein
völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins
Verderben geführt hat, das wissen wir alle, aber es ist damals eben auch das, was
gut war, und das sind Werte, das sind Kinder, das sind Mütter, das sind Familien, das
ist Zusammenhalt – das wurde abgeschafft. Es durfte nichts mehr stehen bleiben….“
Eva Herman - September 2007
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Dieses ungekürzte Originalzitat möchte ich an den Anfang stellen. Der NDR feuerte daraufhin Eva Herman und gestern bei Johannes B Kerner feuert sich Eva Herman dann scheinbar selbst aus dem gesamtmedialen Geschäft. Einige sagen “für immer”. Das Originalzitat ist in der Tat sehr diffus und kann durchaus schnell falsche Schlüsse zu lassen. In der Sendung selbst entwirrt Herman dann aber das Zitat, allerdings ohne sich dafür zu rechtfertigen. Entwirrt klang das Zitat nämlich ganz anders. Sie wolle an früheren Familienwerten festhalten (vor den Nazis), der JBK- Historiker machte das anhand der 3 “K’s” deutlich. “Kind, Küche, Kirche”. Die konservativen Werte halt. Diese wurden dann von den Nazis missbraucht und galten den 68ern dann als überholtes Feindbild und wurden daher immer weiter abgedrängt bzw abgeschafft. Soweit nichts verwerfliches. Ich kann da ehrlich gesagt auch nicht verstehen warum man in diesem Zusammenhang nicht sagen kann, dass die konservativen Werte von den Nazis missbraucht wurden. Schließlich wurden Sie es ja. Man denke nur an Mutterkreuz und Ähnliches. Auch ist es wahr, dass die klassischen Rollenbilder der Frau den 68ern aus genau diesem Grund als Feindbild galten. Wenn man der Meinung ist, man hätte gern die “3K” Werte wieder, wird man sich doch wohl noch erklären dürfen. Ich finde die entwirrte Begründung von Frau Herman durchaus logisch, auch wenn ich natürlich anderer Meinung bin. Ich kann nicht nachvollziehen, wie man ihren Standpunkt vertreten kann, ohne nicht auch aufzuzeigen warum diese Werte verloren gingen. Geschichtlich absolut nachvollziehbar, auch wenn man natürlich anderer Meinung sein kann. In der Sendung selbst ging niemand auf die Versuche ein, Hermans entwirrte Postion zu verstehen.
Was natürlich auf keinen Fall geht, ist die Tatsache, das Eva Herman weiterhin zu ihrer verwirrenden Version des Originalzitates steht. Es ist nun mal ein sehr wirres Zitat und kann leicht zu Missverständnissen kommen. Hier halte ich es ganz mit Mario Barth, der gestern in der JBK Sendung zusammen mit Eva Herman zu Gast war, und gesagt hat dass sehr viele Leute gar nicht den Bildungsstand haben, zu begreifen, was Herman da eigentlich gesagt hat und dass es für einen großen Teil der Bevölkerung doch sicher ganz gut wäre, wenn sich Herman zu ihrer korrigierten Zitatversion bekennt, die Alte jedoch verwirft. Sehr gut Herr Barth! Wieviele Unterschichtler haben gleich angefangen zu gröhlen und glucksen als sie durch ihr Lieblingsmedium informiert wurden Das Eva jetzt Eva Braun ist. Jeder sucht sich sein Medium aus. Jedes Medium zieht für seinen Hörer- Leser- oder Seherkreis die Brocken heraus, die gut passen. Im Falle des ursprünglichen Herman Zitates lässt sich natürlich viel hineindeuten in so eine Aussage. Also ist es natürlich kein Wunder wenn der braune Mob der NPD auf seiner Internetseite gleich Verbrüderung mit Herman feiert. Die Aussage lässt halt für Jeden seine eigenen Schlüsse zu und kann von Jedem anders gedeutet werden. Anders als bei der entwirrten Version, die Herman in der Sendung zum besten gab. Umso ärgerlicher und umso dümmer von Herman sich trotz Allem nicht von ihrem Ursprungszitat zu entfernen. Im Gegenteil. Öl ins Feuer gab es gestern bei JBK noch durch Äußerungen wie “Gleichschaltung der Medien” bezogen auf den Umgang mit ihr. Gleichschaltung der Medien gab es schon mal. Als sie dann noch mit den Autobahnen anfing, war der Ofen gänzlich aus und ich muss Stefan Niggemeier zustimmen, wenn er vermutet das wir Frau Herman eine sehr lange Weile nicht mehr im deutschen Fernsehen sehen werden.
– Update–
Grade gefunden. Sehr lustig, den ollen Real Player rauszukramen lohnt sich wirklich!
oder als mp3 direkt
[MEDIA=3]
Kommentare
6 haben ne Meinung zu “Eine Frau geht ihren Weg - nach draußen”
Schreib doch was













ob die entwirrte version des herman-zitates nun eine legitime meinung ist oder nicht: den nazi vergleich hat sie gezogen, in welchen dimensionen auch immer, besonders in ihrem interview NACH der besagten pressekonferenz:
„Was ich zum Ausdruck bringen wollte, war, dass Werte, die ja auch vor dem Dritten Reich existiert haben, wie Familie, Kinder und das Mutterdasein, die auch im Dritten Reich gefördert wurden, anschließend durch die 68er abgeschafft wurden. Vieles, was in dieser Zeit hochgehalten wurde, wurde danach abgeschafft.“
das ist ein nazivergleich, aber volle kanone.
und auch wenn eva herman kaum der rechten szene zugeordnet werden kann: braune äpfel pflückt man nun mal nicht. in keinem auch nur irgendwie erdenklichem zusammenhang. und schon gar nicht verhält man sich so dumm, wie eh gestern abend. medienmaschinierie und aufbauscherei hin und her: die muss einem nicht leid tun.
Also ich glaube, hier wird einfach eine Grundsatzdebatte gestartet und Eva Hermann ist das Willkommene “Opferlamm”, um zu zeigen, wie politisch korrekt man doch ist. Irgendwie ist die ganze Debatte doch eher scheinheilig. Siehe dazu auch den (wohl einzigen derartigen) Artikel bei SPIEGEL Online:
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,510511,00.html
danke stefan, seh ich auch so. beiliegende mp3 ist hierzu noch das beste beispiel dafür, dass man - wenn gewollt - einfach ALLES in äußerungen hinein interpretieren kann. “opferlamm” passt irgendwie auch.
ich war schon überrascht über die völlig überzogenen reaktionen. jeder tut in der öffentlichkeit völlig empört, wenn’s darum geht. ich kann einfach nich glauben, dass die so denken, wie die tun. ich glaub, die versuchen alle nur, moralisch noch korrekter da zu stehen, als es eigentlich möglich ist. und dafür bürdet sich ganz deutschland seit 60 jahren maßlose tabus auf.
“braune äpfel pflückt man nun mal nicht.” .. ich weiß nich. wenn wir aus der geschichte lernen wollen (was ja nach der braunen zeit immer verlangt wird), müssen wir doch in der lage sein, die dinge realistisch zu betrachten, oder?
sorry. wäre ich ne person öffentlichen interesses, würde ich für die hier gemachten äußerungen wahrscheinlich guillautiniert.
@ fin: die gesellschaftliche aufarbeitung der vergangenheit hat mit dem, was herman in ihrem verleich - meinetwegen auch nicht-vergleich - getan hat, nichts zu tun. genauso wenig wie die geschichte mit oettingern und filbinger damals. politische reden oder werbeauftritte sind zu meist das falsche plenum, um irgendein statement in richtung aufarbeitung des dritten reiches abzugeben. aufarbeitung ist sicher wichtig - aber nicht in so halbgaren, oft nur rein rethorisch wirklich wertvollen aussagen. zur wirklichen aufarbeitung ist schon mehr nötig. wissenschafliche und eigene gesellschaftliche diskussionen - keine vermengung mit schon vorhandenen diskussionen, so als “aufwertung”.
na gut, ich kenn diesbezüglich wenige aussagen der frau hermann. dass sie sich verdammt unglücklich ausgedrückt hat, ist fakt. aber sie hat ja auch bestimmt nicht die absicht, die geschichte des dritten reiches aufzuarbeiten. ich hab nur den bezug dazu hergestellt, weil man prinzipiell doch offen darüber reden können sollte, anstatt sich blind zu stellen. das thema eben auch mal in diskussionen einbinden können, ohne nachher am pranger zu stehen und sich in mehreren pressekonferenzen rechtfertigen zu müssen, damit die gesellschaft nicht denkt, man stünde jeden morgen mit hitlergruß vorm spiegel. weißte?
ich weiß. :) und stimme dir weitgehend zu. es wird nur eben in dieser diskussion oft zu leichtfertig mit aussagen zum dritten reich umgegangen wird. es wird eben oft nur als so randbemerkung verwendet, s. filbinger. dabei wäre eine hauptdiskussion wichtiger.