Führungsfigur
Man stelle sich vor, Kurt Beck fährt nach New York und hält vor hundertausenden Menschen eine Rede am Times Square. Eine flammende Rede, alle jubeln ihm zu und das - obwohl er nichteinmal ein US amerikanischer Politiker ist. Er kommt als Bürger Deutschlands, nicht als Kanzlerkandidat, ach nein, die K Frage steht ja auch in Deutschland noch als. Er kommt eben einfach.
Klingt alles sehr merkwürdig und unvorstellbar, alles in allem ist dies gestern jedoch passiert, jedoch genau umgekehrt. Die Details dazu findet man heute an jedem Kiosk. Gibt es eigentlich noch Kioske? Heißt es Kioske? Kioski? Egal ich schweife ab.
Was also bewegt 200 000 Menschen dazu, eine Art Fanmeile für einen amerikanischen Senator zu veranstalten. Was bewegt sie dazu, ihm zuzujubeln als sei er der Heilsbringer für die nächste Dekade? Wegen seiner inhaltsschwangeren Rede, in denen er mehr militärisches Engagement von Deutschland fordert? Das versucht Georgie schon seit Jahren und wird dafür verachtet, oder nicht?
Aber nein, ein bischen die Berliner Seele bauchpinseln, was sie doch für ne super Luftbrücke hatten, verbunden mit dem Drang zu Freiheit blabla… Dazu noch eine äußerst charismatische Persönlichkeit, die mitreißen kann.
Charismatische Persönlichkeiten, die mitreißen und begeistern können… hundertausende bei seinen Reden… viel Jubel, kaum Kritik…
“Ich kaufe ein H”
Vergleiche sind an dieser Stelle auf keinen Fall gerechtfertigt und angebracht. Verrückt und beängstigend finde ich nur die Tatsache, wie viele Deutsche sich vom Fleck weg, so sehr und ohne wenn und aber dafür begeistern können.
Kommentare
10 haben ne Meinung zu “Führungsfigur”
Schreib doch was













ich möchte nochmal kurz auf obamas kleinen ausflug ins fitness-studio gestern hinweisen: er benutzt gern den hinterausgang vom hotel adlon (”im adlon ist heut nacht hillary clinton, in schwedt kann achim menzeln das authaus nicht finden…” ach nein, mist!), das haben die im fernseher gesagt, das mit dem hinterausgang. er benutzte aber sehr gern den vorderausgang, um das sporttrikot von nike zu präsentieren, wie es sich um seinen drahtigen körper schlingt. und er winkt. lächelt sein weißbezahntes lächeln. und dann interviewen die im fernseher jemanden von der straße: “das macht ihn so menschlich irgendwie.” sie meinte die sache mit dem fitness-studio. und sie meinte es völlig ernst! das ist irgendwie viel erschreckender. ich empfehle zum thema auch diesen artikel: http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/441338
fassungslosigkeit macht sich breit angesichts dieser obamania.stefan du hast meine daumen. aber ich muss doch reumütig zugeben, dass die ihm zujubelnden massen nur medienmanipulierte produkte sind.
eigentlich vertrete ich ja die umgekehrte ansicht, aber in diesem fall wird es mehr als deutlich, wie gut unwissenheit, langeweile, deutsche hurra-mentalität und medienwirkungstheorien zusammenpassen können. achso ich habe fehlendes selbstwertgefühl vergessen.
ich meine, wie kann es sein, dass fitnessstudios menschlich machen? und warum machen sie dann nicht nachbar schulze menschlich? wo ist der unterschied zwischen obama und schulze? WO BITTE?
wo bin ich hier eigentlich?
Ich hätte ihn gern mal live gehört. Nicht weil ich “Yes we can” schreiend inmitten von 200.000 Menschen stehen will, sondern weil ich den amerikanischen Wahlkampf einfach sehr interessant finde. Der amerikanische Wahlkampf ist einfach aufregender, interaktiver, während der deutsch irgendwie nicht aus seiner 0.81 beta Phase rauskommt.
Hab auch ein paar mal darüber geschrieben -> http://www.denquer.de/tag/usa
Was die Hysterie betrifft, habe ich heute Vormittag recht lange mit einem Bekannten aus Berlin geschrieben:
“[12:34:45] Stefan Oßwald : aber das ist eher ein gesellschaftliches problem. obama verkörpert einfach veränderung und es gibt viele die deswegen zu ihm aufschauen, auch in deutschland. haben wir hier jemanden zu dem wir aufschauen können? Merkel? Beck? dann doch eher Podolski!”
“Ich kaufe ein H…” -> bei Dir piepts wohl. Muss man eigentlich im Westen groß geworden sein um ein positives Amerikabild zu haben? Trotz Bush und seiner Idioten…
von “groß werden” will ich mal nicht gleich reden, wie alt waren wir beide 1989? na also. kirche im dorf und so… aber vielleicht hilft der ein oder andere background ja doch, ein bischen differenzierter zu beurteilen…
eins noch, nur kucken… bei den amis selbst piepts scheinbar noch mehr:
http://www.youtube.com/watch?v=vsmP2KAhh74
also wenn ich zeit gehabt hätte, wäre ich gern auf die fanmeile gegangen. guten pop hab ich schon immer gemocht. das heute-jounal hab ich an diesem tag auch verschlungen wie das em-finale.
die doppelseite in der berliner zeitung (sowie in wahrscheinlich allen anderen zeitungen auch) war mir dann aber auch zuviel. ein konzert-review sollte kurz und knackig sein…
Du Stefan glaub mir, als FAZ-Abonnent hab ich einen mehr als differenzierten Blick auf Obama’s Besuch gehabt. Und die Glosse im Feuilleton war schlicht herrlich… Und auch sonst ist man nicht unkritisch:
“Bei der Berichterstattung zu Obamas Berlin-Besuch überbieten sich die deutschen Fernsehsender an Hilflosigkeit. Harmlose Details werden zu Ereignissen aufgeblasen, Experten reden dummes Zeug, und Reporter blamieren sich mit haltlosen Spekulationen. Mit Nachrichten hat das nichts zu tun.”
Allerdings halt ich den wenn auch gestrichenen Verweis auf das “Ich kaufe ein H” und jegliche Anspielung daran als geschmacklos und das ständige Verweisen auf die “Hirmlosigkeit” ist ebenfalls ziemlich hirnlos.
Überdies endet das “Aufwachsen im Westen” nicht 1989. Die Sozialisierung deines Umfelds hört nicht einfach auf. Oder warum wählen gemäß Brecht, die Kälber im Osten ihre Schlächter selber, während die PDS in Bayern de fakto nicht existent ist? Und das obwohl Bayern die meisten demokratischen Gremien aller Bundesländer hat, also Platz wäre? Aber wahrscheinlich kommt dann wieder CSU-Gebashe… weil wir sind ja alle Nazis hier.
Gemeint ist natürlich die Hirnlosigkeit der Amerikaner. Hat meine Tastatur gefressen ;-)
War aber eine gute Rede. Allerdings ist sie nur ein bisschen kurz ausgefallen.