Nachtgedanken - Die Kolumne von Fin

Folge 1 Fin über: Musikgeometrie

Worin auch immer - wir sind ja nun alle Experten in unserem Gebiet. Ich schmeiße irgendwelche Schlagworte in Fachdiskussionen, damit die Teilnehmenden wissen, dass auch ich irgendwie Ahnung von der Materie hab. Der Sinngehalt meiner Äußerungen ist dabei egal. Es muss reichen, dass sich jeder in dieser Diskussion irgendwie gefeiert fühlen kann.
Aktuell ist das mustergültig in der Musikszene zu verfolgen - im Speziellen: Tanzmusik elektronischer Herkunft. Eine wunderbare Plattform für jeden Selbstdarsteller. Sich “DJ” nennend und bestenfalls zwei, drei Male den Rausschmeißer im schlechtesten Club der Stadt machend - darauf beschränkt sich die Bilanz von mindestens 50% dieser Leute, die uns freundlicherweise an ihrem Musikgeschmack teilhaben lassen. Dass dieser dem der Mitbewerber meistens identisch ist, dürfte bekannt sein.
Jedenfalls gibt es Foren, in denen sich die Szene trifft. Nun gut, da ja jeder selbst ein Star ist, erleidet die “Szene” einen chronischen Mangel an Konsumenten. Alle machen selbst und meinen, es müsse noch vielmehr davon geben. Aber ich muss mich jetzt mal bremsen, ich könnte Buchbände darüber verfassen.
Neulich fragte jemand in solch einem Forum, ob denn von Schallplatten die A-Seiten besser wären, oder die B-Seiten. Ist das keine öffentliche Erörterung wert? Doch. Und so hagelte es beispielsweise Kommentare, die einem versteckt verklickern wollten, man hätte einen minderen Intellekt, wenn man denn auf Lieder stünde, die auf A-Seiten des runden Vinyls geritzt worden sind. Beiläufig stellt sich mir die Frage: Wenn ich eine Scheibe herumdrehe, mutiert dann nicht die Vorderseite zur Rückseite und die RÜckseite zur Vorderseite. Vorne rum, hinten rum, im USZ, gegen den USZ - irgendwie muss ich meinem Verdruss über das Thema Luft machen:

Ich mag Auslaufrillen, weil dann der Terror endlich vorbei ist. Und die glatten Scheiben wo auf B nix eingeritzt ist - da macht die Nadel so lustige Bewegungen. Außerdem bin ich noch auf der Suche nach der exakten Umdrehungszahl, bei der ein halbvolles BECKS sich grad so noch auf der Platte hält.
Ansonsten würd ich gern mal die Nadel entwenden und damit meinen Namen in Rauhfasertapete ritzen - ich garantiere einen satten analogen Sound! Das nennt man Kunst. Nämlich.

12/2006 Fin

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