Nepper, Schlepper, Bauernfänger
Was dürfen die öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten im Netz. Imho eine doch recht spannende Frage, schließlich finde ich Sachen wie die ZDF Mediathek extrem gut. Zur Fußball EM wird teilweise sogar live gestreamt, es gibt Hintergrundinfos usw. und so fort. Alles prima für den Kunden, aber doof für die Verleger, denn schließlich steht auf den Seiten ja auch ne Menge Text - und Text machen - das können die Verleger viel besser und wollen die Oberhand im deutschen WWW über das geschriebene Wort haben.
Da ist natürlich Streit vorprogrammiert und dieser wird auch mit harten Bandagen ausgetragen. Mir geht es aber nicht um die internen Streitereien, sondern um die Berichterstattung nach außen darüber.
Warum meinen Verleger, Private und Öffentlich rechtliche (ÖR’s) dass diese Dinge den Konsumenten überhaupt interessieren? Warum versucht jeder seine Öffentlichkeit zu instrumentalisieren?
Nicht repräsentative Umfragen bei RTL auf der einen Seite, zwielichtige Reportagen in der ARD halten dagegen. Verleger bashen die ÖR’s, diese schlagen in ihren Medienmagazinen (Radio 1, SWR Contra, B5 aktuell) zurück. Da gibt es dann Kommentare von Redakteuren, die sich zum Sachverhalt äußern und natürlich ganz dick die eigene ö.-r. Meinung propagieren.
Das ist in etwa wie in einem Restaurant in dem man das Essen zurückgehen lässt, weil es zu salzig ist. Kurz darauf kommt der Koch selbst zum Platz und kostet vor meinen Augen und sagt das es prima schmeckt. Geschehen ist das ganze im Medienmagazin von B5 aktuell.
Was soll das? Ich fühl mich geneppt und vor den Karren gespannt, wenn selbst das heute Journal in diesen Singsang einstimmt und sich und das öffentlich rechtliche System bemitleidet und am liebsten unter Artenschutz stellen würde.
Wenn das ganze für einen Ottonormalgucker/hörer überhaupt eine Notiz wert sein wird, dann vielleicht gerade mal an dem Tag, an dem sich die Ministerpräsidentenkonferenz zum neuen Rundfunkänderungsstaatsvertrag äußert, bzw. ihn beschließt.
Wichtig ist ausschließlich was hinten rauskommt. Wie da was beschlossen wird und das XY unfair ist, interessiert doch keine Sau. Das gibt es überall.
Die Zuhörer und Zuseher wandern ins Netz, das ist ein Fakt. Das Internet wird auf kurz oder lang alle anderen Medien weitestgehend verdrängt haben. Klar wollen da alle ihre Schafe ins trockene bringen. Aber glaubt auch nur ein Intendant dass durch die Mitleidsberichterstattung irgendein GEZ Zahler für ARD und ZDF auf die Straße geht?
In selbstprognostizierten 2 bis 5 Jahren wird die ganze Diskussion von vorn losgehen. Spätestens dann möchten die GEZ Zahler endlich adäquate Inhalte im Internet von den ÖR’s vorfinden, schließlich beziehen sie dann fast die Hälfte ihres Medienkonsums aus dem Internet. Da reichen 0,75 % der Rundunkgebühr nicht mehr aus. Da wollen auch Sendungen angeschaut werden, die älter als sieben Tage sind, weiterreichende Angebote gefunden werden, die über die Themen der Sendungen hinaus gehen, usw..
Allerspätestens dann jedoch werden sich aber auch ganz andere Plattformen etabliert haben, die alles bieten und nichts kosten. Das werden nicht die popeligen Verleger aus Deutschland sein und erst recht nicht die selbstreferenziellen öfffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten. Aber mit dem Blick über den Tellerrand tut man sich hierzulande ganz gern noch ein bischen schwer. Das Internet tut dies jedoch nicht, ganz einfach weil es keinen Tellerrand kennt.
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