Rechtsextremismus. - unter anderem
In den letzten Wochen rollte eine regelrechte Lawine durch die Medienlandschaft von Mittweida. Ausufernder Rechtsextremismus, dessen gewaltbereite Fratze nunmehr auch keinen Halt vor Studenten macht, arglose Bürger ins Krankenhaus bringt und die wirklich wenigen, noch in Mittweida verbliebenen ausländischen Bewohner in Angst und Schrecken versetzt. Bei diesem kleinen, schon fast nur noch in Promille auszudrückenden Satz von Ausländern fällt mir immer das Brandenburglied ein. Komischerweise. Ich zitiere: “Da stehn drei Nazis auf dem Hügel und finden keinen zum verprügeln”. In MW ist die Situation ähnlich, doch zum Glück gibts ja noch Studenten und den ganzen Rest der Einwohner, die dann schon mal als Aushilfsneger herhalten müssen.
Wo liegt aber der persönliche Unterschied für die Opfer von Gewalt und Pöbeleien, wenn man in Mittweida aus niederen Beweggründen von Faschos vermöbelt wird oder in Neukölln vermeintlich Schwule von Jugendlichen aus dem Immigrantenmillieu angepöbelt und durch das Viertel gejagt werden. Intolleranz aus Dummheit ist bei beiden Gruppen vertreten. Eigene Minderwertigkeitskomplexe aufgrund von sozialen Problemen werden verdrängt, indem man sich Menschen sucht, die vermeintlich eine noch schwächere Minderheitengruppe bilden.
Den Faschos liegt natürlich immernoch das Bündel der deutschen Vergangenheit auf dem Rücken. Millionen tote Juden und der zweite Weltkrieg nur mal als Schlagworte genannt. Zu wenig integriert sind beide Gruppen, sowohl die “Urdeutschen” als auch die “schlecht Eingegliederten”. Niemals möchte ich das Problem des scheinbar erneut aufkeimenden Rechtsextremismus verharmlosen. Ob ich persönlich jetzt allerdings Angst haben muss, nachts auf der Rochlitzer von Nazis gejagt zu werden, oder mir nachts in der S Bahn in Berlin eine Gruppe Rütlis auflauert, ist mir im Prinzip Wurst. Unangenehm ist beides und es nervt mich persönlich auch in beiden Fällen in gleichem Maße!
Kommentare
23 haben ne Meinung zu “Rechtsextremismus. - unter anderem”
Schreib doch was













das unterschreib ich so, obwohl ich in leipzig und in bayern (wo ich jetzt immer beruflich bin) das nicht vorfinden kann. zumal ich mich angesichts der ausländervielfalt in bayern richtiggehend fremd wie im eigenen land fühle. hier es aber absolut keine probleme gibt…
Ich schließe mich mit meiner Unterschrift an.
beste Grüße aus Braun-City a.k.a. MW
Der Oz
klar schneiden sich ausländer mit faschos am punkt der intoleranz. wer jetzt schlimmer ist, sei einfach auch mal dahingestellt.
trotzdem bitte keine prognosen wer was aus welchem grund macht! sind wir die? haben wir uns mit denen jemals unterhalten? sind wir in deren umkreisen aufgewachsen? darüber können wir uns einfach kein bild machen. gut vielleicht noch das, urteilen sollten wir aber nicht, denn die kraft dazu fehlt uns.
wir die wir uns sicher fühlen, weil wir in kleinen beruhigten zonen in sachsen aufgewachsen sind. weit weg vom urbanen (dresden, leipzig blabla kann man nicht urban nennen mit ihrne mickrigen einwohnerzahlen), draußen auf dem land in städtchen oder städten, die mit anderen sachen wie arbeit und zusammenbruch nach der wende zu tun hatten als sich mit personengruppen rumzustreiten. mit ein paar faschos. sicherlich. vielleicht. höchstwahrscheinlich sind wir aber damit zur hochzeit anfang der neunziger nicht in berührung gekommen als kleine kindchens.
und wie die wenigsten von uns jetzt auch in berührung gekommen sind mit rütlis…ich in meiner ganzen berlin-zeit erst 2x: einmal hatte er ne waffe und war mies drauf, suchte aber nicht uns sondern jemand anderen. angst hatten wir schon. heute lachen wir. soll ich angst haben? als berlinerin? da kann ich gleich in die prignitz ziehen.
und das andere mal in kreuzberg: ey lesben ey. verpisst öisch. ooohhhoooo. huuuuhhhh. das haben auch schon “arier” zu mir gesagt (studentenclub mittweida - studenten). das ist intoleranz ok, aber..hmm und jetzt? das ist alltag in deutschland würde ich sagen.
wir sollten aufhören ständig mit dem zeigefinger rumzurennen, zu banalisieren und alles einer bestimmten überordnung zuschreiben. der rütli - der böse, der glatze - der nazi.
BEVOR wir nicht DA waren, sind das viel zu einfache positionierung seiner selbst, gelle stefan? ;)
liebe lantzschi,
du wirst es nicht glauben, aber ICH war DA und ICH habe schon mehr als zweimal unschöne begegnungen in berlin gehabt, dabei bin ich noch nicht mal täglich dort. naja, ist halt immer auch eine sache wie genau man seine umwelt wahrnimmt. ein paar beispiele:
- 1 mal in neukölln. kottbusser tor. ampel rot, ich sitz auf dem beifahrersitz und seh neben mir besagte junge menschen mit migrationshintergrund, saßen da, butterfly gezückt, bereit loszulegen
- 2 mal in der sbahn von sogenannten rütlis als schwuchtel bezeichnet
- 1 mal in kreuzberg genau das gleiche
- hätte ich am wochenende auf der heimfahrt in der s bahn einen waggon weiter vorn gesessen wäre ich sicher auch dran gewesen, statt dessen mussten andere dran glauben. jetzt kannst du mir sagen was du willst. aber ich fühl mich bei solchen aktionen weder wohl noch sicher. und wenn das der fall ist, meide ich entsprechende lokalitäten, ortsteile und natürlich die städte. ich war schon in den verschiedensten städten, nicht nur in deutschland unterwegs. mit öpnv, zu fuß, tagsüber und nachts. aber eine derartige häufung von zwischenfällen hab ich noch nicht erlebt. nirgendwo. da kannst du dein fähnchen für berlin noch so hochhalten. ich finde diesen zustand scheiße und nicht akzeptabel.
selbst wenn es mal nichts mit mir direkt zu tun hat, begegnet einem pöbelei und stresserei zwischen anderen menschen täglich. will ich mir das geben? nein!
falls sich immer noch jemand wundert aus welchen gründen mir berlin in den letzten 1,5 monaten immer unsympathischer wurde, thats it.
und noch was. prognosen, wer was aus welchen gründen macht gibt es schon immer und wird es auch immer geben. ich hab mir die oben aufgeschriebenen prognosen nicht ausgedacht, die wurden so aufgestellt und ich hab sie im kontext meines eintrags halt verwendet.
ach so, eins noch. ich habe 6 jahre auf einem dorf vor dresden gelebt. ich hatte in dieser zeit sehr intensiven kontakt mit rechten und deren herkunft bzw. motiven. in wort und faust.
von den medien abschreiben ist ja auch das einfachste.und sich seine meinung da herholen ist auch nicht grad ne kunst.
ich halte keine berlin fahne hoch, im gegenteil, du wirst in jeder anderen großstadt solche zustände finden. und mit großstadt meine ich ab 1mio einwohner: frankfurt, berlin, köln, münchen, hamburg..blablabla.
das ist nun mal die großstadt. mehr multikulti, mehr soziale unterschiede und mehr wallung. und dazu ist das noch auf der ganzen welt so.
aber man kann es sich ja auch einfach machen und sagen: da geh ich nicht mehr hin. weil da ist es ja doof. da sind ja ausländer. und die sagen auch mal schwuchtel. stell dir vor, ich bin oftmals unter MEINES GLEICHEN und die bepöbeln mich als scheiß lesbe…
solche sahcen sind keine frage von großstädten (in deinem falle berlin) sondern von allgemeiner toleranz und erziehung durch gesellschaft und umwelt.
die paar erfahrungen die du gemacht hast, haben viele sicherlich auch schon gemacht. und ich wette, da waren nicht immer ausländer dran beteiligt. derartige häufung? du redest von problemvierteln, kreuzberg, neukölln. ist das berlin? wenn das für dich berlin ist, dann schade, dass du dir noch nicht die restlichen stadtviertel angesehen hast.
6 jahre..hmm…komisch, dass du bei so intensivem kontakt zur rechten szene zu solch einer meinung wie in deinem post gekommen bist.
Mahlzeit,
also die angesprochene Mittweida-Randgruppe hat aber auch noch den zusätzlichen sozialen Minuspunkt, aus nem scheiss Kaff zu kommen und halt noch nix erlebt zu haben. Da verblödet der Kopf zusätzlich… Weil Kinder vom Land…. reden wa besser jaa nisch drüber! :-)
Das verrückte ist nur, mich pöbelt in der S-Bahn keiner an. Jedenfalls ist es lange nicht vorgekommen und damals wusste ich mir gut zu helfen…
Ich denke, man muss auch als Mensch -rein optisch- das Bild einer Randgruppe (Homo, HipHopper, Tokio Hotel-Fan, o.ä.) verkörpern um mit der Sido- und Bushido-Fanbase in Konflikt zu geraten… ;-)
Als denn!
T!
PS: Hab jetzt keine Zeit mir mehr Gedanken drüber zu machen, heut Abend evtl.
@ lantzschi: ich schreibe nicht einfach blindlings irgendwelche medien oder pressetexte ab. immer steht das auch in zusammenhang mit meinen persönlichen erfahrung bzw meinen eindrücken. dafür ist es mein blog und dafür kann ich hier so subjektiv sein wie ich möchte.
mir lag es auch fern hier eine kampagne gegen rütlis in problemvierteln zu starten. es ging mir nur um meine eindrücke in groß und kleinstadt. das es mich als normalen bürger von groß und kleinstadt in gleichem maße stört, ob rechte pöbeln oder rütlis. mehr nicht.
die restliche diskussion entflammte erst in den kommentaren und gehört an sich überhaupt nicht zum thema.
dein letzter kommentar war das erste wirklich vernünftige, was von dir zu diesem thema gefallen ist.
ohne behauptungen und dämonisierung und über-einen-kamm-scheren, ohne bsp ohne hand und fuß. ohne intoleranz und ohne ignoranz.
deswegen die diskussion in den kommentaren.
und wenn sie nicht gestorben sind, beefen sich lantzschi und stefan noch heute über nazis in mw und rütlis in neukölln. das alles, während sie in potsdam saßen und eigentlich arbeiten sollten. alles weitere nur persönlich, nicht hier in den kommentaren. was ich sagen wollte, habe ich gesagt und fand es weder ignorant noch intolerant.
alle anderen dürfen natürlich hier gerne diskussion. ich bin mir sicher, stefan wollte nicht die kontroverse zu seinem sonderbaren schreibs abwürgen.
richtig, danke. btw, friedrichshain ist schön, mitte auch, pberg erst recht :P
rütlis, nazis, besoffene hirnlose, aufs prügeln aus - mir egal, wer mir aufs maul haut, weh tuts so und so, schützen kann ich mich wohl nur bedingt, und wenn ich auf die straße gehe und ein ziegelstein fällt von einem maroden dach auf mein haupt, hat das vielleicht verhehrendere folgen und ist in etwa so wahrscheinlich, wie die gefahr, dass ich in meinem leben mal so richtig zusammengelatscht werde. so würde meine mutti argumentieren, und irgendwie hat sie recht. das is das persönliche.
das andere: politisch motivierte gewalt ist so und so “schlimmer”, weil sie fanatischer ist. ob jemand aus langeweile oder trunkenheit prügelt oder aus fanatismus, halte ich schon für einen unterschied, nicht für meine krankenkasse, wohl aber für das große ganze, wenn ich das mal so halbnaiv im 68er-Geist sagen darf. hinter rechten/linken/talibankämpfern stecken strukturen. strukturen, dir präventiv wie kurativ schwerer zu zerschlagen sind als reine blödheit/langeweile/fehlende integration. die rechten sind, und das meine ich auch, da nochma ne spezies mit extra-gehege, wegen geschichte und so. und weil die nicht nur ihren opfern wehtun, sondern auch dem deutschland-klischee. darüber, speziell über entsprechende, langfristige maßnahmen müssen sich aber andere den kopf zerbrechen, ich kann nur schlau daher reden, bis ich mal selbst streetworker/polizist/familienministerin bin.
ob ich problemzonen meide? sicher. ich gehe nachts nicht mehr alleine über den mittweidaer tschirner-/marktplatz und würde ich in berlin/münchen/frankfurt wohnen, fände ich sicher auch schnell heraus, welche orte ich lieber meiden sollte. höre ich auf mit studieren, nur weil in mittweida reichsflaggen wehen? nein. werde ich später mal auf guadalcanal kakao anpflanzen, weil mir städte/länder, wo mir möglicherweise böse menschen begegnen könnten, zu viel angst machen? nein. höre ich auf zu rauchen, weil ich an lungenkrebs sterben könnte? vielleicht. :P
möglicherweise ist das klimaproblem einfacher zu lösen, als das man sich irgendwo sicher sein kann: mir passiert nichts.
Peikerten.. ick liebe dich! Toller Post. Thx
[…] Klickertrigger: Rechtsextremismus - unter anderem Update#1: Das Feature von 99.3 zum Thema ist jetzt auch als MP3 verfügbar. Großes Lob für diese Arbeit an die Kollegen vom Radio. […]
Naja klar…. versteckt euch nur alle schön in euren Blogs und Com
scheiße…
…naja weiter im Text…
munities. Vom vorm Computer sitzen und sich nen “Schwanzvergleich” im wer die meisten Erlebnisse mit intolleranz hatte liefern wirds auch nich besser…
Also mal die große Fresse beweisen und zur Demo kommen:
http://demomittweida.blogger.de/topics/Aufruf+zur+Demo/
Ach ja… Ich hatte bis jetzt in MW glück… und ich finds toll das weningstens dieses Thema an der Hochschule gemeinschaftlich diskutiert wird…. in diesem Sinne:
Kein Sex für Nazis!
bleib doch mal braun im schlüpper ;-) keiner versteckt sich. zur demo bin ich, wenn ich an dem tag in mw bin, selbstverständlich am start. falls du hinter der von dir geposteten seite steckst: gute sache! weiter so!
Danke für die Blumen… aber die is nich von mir. Ich wollt nurmal drauf aufmerksam machen… Stellt euch mal vor es ist Krieg und keiner geht hin.
[…] Klickertrigger: Rechtsextremismus - unter anderem […]
@jannsen: “Stellt euch mal vor es ist Krieg und keiner geht hin.” dann ist der gewaltsame teil des krieges beendet und man wird/bleibt verbal. politisch sagt man dann gleich, es wird sich am verhandlungstisch getroffen. im falle der demo wird das aber wohl leider ausbleiben, wir hoeren am 12.mai mehr… ich gehe auf jeden fall nicht hin, um mich den einen nicht vorzuspannen (neben rechts, rüdlis [den begriff kannte ich noch garnicht] gibts ja noch und in dem fall links) bzw. den anderen naehrboden zu geben.
und ich strebe hier keinen “Schwanzvergleich” an!
…
grundlegend halte ich es fuer korrekt, sich zum thema zu aeussern, z.b. in dieser form oder darin, dass die medien sich hier nun endlich auch zu wort melden. ahnlich Stefan, habe ich in einer kleinen klitsche, in rechter gesellschaft mehrere jahre meiner jugend verbracht.
an der stelle der einwurf und die reaktion auf die vorredner: gibt es denn einen belegbaren unterschied zwischen urbaner und den gegenteiligen bewohneren? in grossstaeden polarisiert man die diskussion auf stadtteile runter und unterscheidet diesen von jenen, in mittel-, kleinzentren und gemeinden betriffts halt alle gemein. waere ja auch unmedial, mw nun in extremzentrum markt und freundesviertel wohnheim 5 zu unterteilen (koennte man ja aber sehr wohl), lohnt halt nicht.
zurueck zur jugend… in all der zeit habe ich mich wohlwissend von diesen gedanken und von gewalt erst recht, unabhaengig gehalten. subjektiv: weils mir eh und je schwachsinnig erscheint und mir fausthiebe schmerz zufuegen. trotzdessen sinds mehrere jahre geworden, denn neben dem hier btreffenden thema, hatten/haben die menschen noch andere charaktere.
der punkt scheint mir aufklaerung und das vermitteln diverser meinungen, was auch diese diskussion anstrebt. in erster linie kann und muss das breit gestreute meinungen wiedergeben, zu denen man sich oder diesbezueglich eher die jugend beliest und alle standpunkte kennen lernt.
wir werden bei einschlaegigen und meinungsfesten extremen kaum chancen haben, es sei denn sie erkennen den punkt doch noch an, dass uns menschen aller charakter ausmacht und nicht nur die eine (ausgepraegte) eigenschaft, herkunft und frabe. es gilt den naehrboden zu bekaempfen und die zukunft damit zu bessern.
einfach gesagt, der gezielten meinungspropaganta muss gesellschafts-/heute-/zukunftspropaganta entgegen geworfen werden. am vielvorgeschobenen sozialen problem laesst sich das nicht erklaeren. das trifft wohl eher allgemein die problematik globalisierung und wie der mensch damit leben muss.
… wobei auch hier eine verknuepfung moeglich ist.
fazit: an der situation extremismus kann aktuelle nur schwer entgegen gewirkt werden, die leute sind ueberzeugt. daran laesst sich nur schwer ruetteln. das ist ungefaehr so, als wenn mir meine eltern sagen, deine frau passt uns nicht. da gebe ich wenig drauf, denn ich glaube sehr wohl, die ist es.
es gilt also, jene unvoreingenommene zu finden und sie dabei zu halten. sie auf die jeweilige gegenpartei zu fixieren (plump: rechts ist scheisse, mw braucht dich, mach mit) schafft nur mehr defizite und weniger freisicht (plump: und links freut sich dann).
[…] Eigentlich habe ich diesen Post schon lange in Petto. Fiel mir nach dem hier ein. Und eigentlich wollte ich mit meiner umfassenden Meinung noch bis zum Erscheinen der aktuellen DUMMY-Ausgabe “Türken” im Juni warten. Aber nachdem hier kann ich einfach nicht länger warten. Dann mach ich eben eine Reihe drauß. […]
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