Wenn einer eine Reise tut…
Ich ja fuhr diese Woche Bahn. Was blieb hängen?
Chemnitz - der Anfang
Chemnitz hat einen kalten, kalten Bahnhof. Zugluft en Masse bei gefühlten Minus 10 Grad. Das ganze 7:15 Uhr bei fast noch kompletter Dunkelheit. Am Bahnsteig alte Leute, Geschäftsreisende und auch Verrückte. Verrückte Starlight Prolls die bei den gerade genannten Witterungsbedingungen im T-Shirt rumstanden und im gegenseitigen Gruppenposen vom Zittern ablenkten. Köstlich.
Im Zug war es dagegen schon angenehmer. Ein nettes Viererabteil gehörte mir und der Zug tuckerte so langsam durch das morgendliche Chemnitz gen Nürnberg. Die Sonne ging grad auf. Alles wirkte sehr geschäftig. Ein schönes Bild, trotz Chemnitz.
Bis Zwickau keine besonderen Vorkommnisse.
Plauen - Loriot steigt zu
In Plauen stieg ein älterer Mann zu. Er und (vermutlich) sein Sohn, der ihn wohl zum Bahnhof brachte, verfrachteten einen riesigen Koffer ins Abteil. In mein Abteil. Aber das war nicht sonderlich schlimm. Der ältere Herr machte nicht nur einen sehr sympathischen Eindruck mit seiner sehr höfliche Art zu grüßen und seinem Stil sich zu kleiden, nein, er sah Loriot auch zum verwechseln ähnlich. Auch die Verabschiedungszene von seinem mutmaßlichen Sohn war sehr stilvoll. Der Zug fuhr überaus ruckartig an. Loriot (ich nenn ihn jetzt einfach mal so) konnte sich gerade noch an einer Stange festhalten, tat dies allerdings extrem stilvoll trotz des wohl schon hohen Alters. Gleich darauf zückte er seine Baskenmütze vom Kopf um seinem Sohn noch so lange nachzuwinken, bis dieser in der Ferne verschwand. Die andere Hand natürlich noch immer die Stange umklammernd. Sehr stilvoll. Sehr “gestern”. Aber genau deshalb auch sehr faszinierend.
Von Plauen bis weit nach Hof war die Zugfahr dann aber dafür alles andere als faszinierend. Kurven, Kurven, noch mal Kurven. Links, rechts, bremsen, anfahren, neigen, zurückneigen. Es war zum kotzen. Im wahrsten Sinne. Wenn das die vielbeschworene Neigetechnik sein sollte von der man schon so viel gehört hat, verzichte ich gern dankend darauf. Loriot allerdings schien das schon gewöhnt zu sein. Er packt behände ein liebevoll gepacktes Päckchen mit Proviant aus. Ebenfalls wieder sehr Oldschool das Ganze. Bemme mit Butter. Dazu ein hartgekochtes Ei, ein wenig Salz to go und natürlich die obligatorische Thermoskanne. Trotz zahlreicher Kurven beherrschte er das Spiel zu Essen und gleichzeit das Gleichgewicht der Sachen auf seinem Tisch zu halten perfekt. Eine Hand war permanent für das Halten des Eies reserviert, die Andere balancierte stets behende die Thermoskanne, die Butterbemme oder das Salz auf dem Tisch aus. Sehr stilvoll wieder mal.
Grenzerfahrungen
Plötzlich wurde aber auch Loriot nervös. Kurz zuvor vernahm ich bereits vom Viererplatz auf der anderen Fensterseite hastige Blicke von zwei anderen Fahrgästen, die schon im Zug saßen als ich einstieg. Was war passiert? Die beiden Menschen vom anderen Fenster waren völlig unabhängig von Loriot nervös geworden. Merkwürdig. Ein paar Laute der Beiden vom anderen Tisch schwappten dann schließlich zu mir rüber und es fiel mir wie Schuppen aus den Augen. Natürlich! Hier irgendwo war sie! Die innerdeutsche Grenze. Wir waren kurz vorm goldenen Westen. Bis kurz vor Hof ließ ich mich dann von ihrem Fieber anstecken und versuchte herauszufinden wo denn nun die Grenze verlief. Irgendwo muss doch noch was zu sehen sein. Eine Mauer. Oder wenigstens ein Zaun. Ein kleiner Wachturm viellicht? Nix. Bis wir in Hof ankamen deutete absolut nichts daraufhin hin, dass wir gerade eine Stelle passiert hatten, die bis vor ein paar Jahren noch Welten trennten.
Hof…
Aber was heißt hier Welten. Kuck ich mir Hof aus dem Zug an, stell ich kaum noch unterschiede zu Zwickau oder Plauen fest. Zumindest vom Zug aus. In Hof hingen die Wolken tief und noch grauer als gerade noch in Plauen. Riesige Containerberge türmten sich auf der rechten Seite und auf der linken Seite torkelte ein Alkoholiker über den Bahnsteig. Verwirrt ging die Fahrt weiter.
Deutlich besser allerdings, da die Kurven verschwanden und sich das Wetter wieder besserte. Außerdem war Loriots Eigeruch aus dem Abteil verschwunden. Nach gefülten 5 Stunden durch die Tundra kam der Zug dann endlich in Nürnberg an.
tbc, oder auch nicht. Je nach Lust und Laune. Stoff gäbe es genug.
Kommentare
3 haben ne Meinung zu “Wenn einer eine Reise tut…”
Schreib doch was













Was machst du in Nürnberg ?
durchfahren ;)
jetzt, am verpeilten, gemütlichen “ich-mach-einfach-mal-garnix-sonntag” abend wirkt das auf mich wie ein spannender roman. weiter schreiben!